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Evangelische Kirchengemeinde
Oberkassel-Königswinter

Lieder die bis heute klingen | 57-4

| Pfarrerin S. Döllscher

Dieses Jahr ist „Paul-Gerhardt-Jahr“. Der Liederdichter und lutherische Pfarrer, der vor 350 Jahren starb, prägt die christliche Liedtradition bis heute. Eine kleine Umfrage unter den Erwachsenen in meiner Familie ergab: Jeder und jede kennt mindestens eines der Lieder, deren Text Paul Gerhardt gedichtet hat: Das Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippe hier“ liegt vorne. Es darf beim Weihnachtsliedersingen nicht fehlen. „Geh aus mein Herz und suche Freud“ kennen viele, genau wie das Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“.

Auch „Befiehl du deine Wege“ haben manche schon gesungen. Nun ist wahr, dass alle, die ich gefragt habe, zumindest ein Hauch evangelische Sozialisation erfahren haben. Bemerkenswert ist aber doch, dass zu diesem Hauch bis heute die Worte eines Liederdichters gehören, der vor 350 Jahren gestorben ist.

Paul Gerhardt, der von 1607 bis 1676 lebte und vor allem in Mittenwalde, Berlin und Lübben wirkte, hat viele Liedtexte geschrieben. Zu ihrer Bekanntheit tragen bis heute die schönen Melodien bei, die befreundete Kantoren komponierten. Aber auch seine Texte selbst haben ihren Anteil: Sie sind einfach und gleichzeitig kunstvoll gedichtet. Sie sind erfüllt von persönlicher Frömmigkeit und erzählen von der Hoffnung, dass wir uns auf Gott verlassen können, in guten und in schweren Zeiten. Und am Ende reichen seine Lieder oft über diese Welt hinaus in Gottes Ewigkeit.

Auch in dem schon erwähnten Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ ist das so. Es singt von der Natur vom Frühjahr bis zum Herbst um dann zu bekennen: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“ Jetzt – mitten im Sommer – stimme ich gerne mit ein, voller Freude über die Schönheit und Fülle von Gottes Schöpfung. Nur um dann mit Paul Gerhard zu singen: „.Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du’s uns so lieblich gehen auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden!“ Wenn es hier schon so schön ist – wie schön wird es in Gottes Welt sein! Mir gefällt dieser positive Blick auf die Welt hier wie dort. So positiv gestimmt gehe ich auch Paul Gerhardts nächste gedankliche Wendung mit: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.“ Wir – schöne Blumen in Gottes Garten. Wir – Bäume, die tief wurzeln im Vertrauen auf Gott und die Früchte tragen, die andere freuen und Gott preisen. Diese Bilder aus der Natur, die zu Bildern für das Leben als Christin und als Christ werden, das gefällt mir sehr. Paul Gerhard schließt mit einer letzten Bitte: „Erwähle mich zum Paradeis und lass mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen.“ Zeit und Ewigkeit sind hier ganz nah beieinander, das Leben bei Gott und das Leben hier gehören für Paul Gerhardt zusammen. Daraus zieht er Kraft. Und er lädt uns ein, mit einzustimmen und für uns Kraft zu gewinnen aus der Schönheit der Schöpfung genau wie aus dem Vertrauen auf Gott.

Vielleicht haben Sie Lust, Paul Gerhardts Einladung zu folgen. Sie steht – auch noch 350 Jahre nach seinem Tod. Wenn Sie Lust haben, singen Sie mit Stefanie Ingenhaag am 15. September oder stöbern Sie in den Liedtexten von Paul Gerhardt. 26 Lieder mit seinen Texten finden Sie im Evangelischen Gesangbuch, das Sie gerne in der Gemeinde ausleihen können. Oder Sie lesen online nach.

Sofia Döllscher, Pfarrerin

Informationen

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Zur Vereinfachung und zur besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen nicht ausnahmslos eine allumfassende Schreibweise verwendet. Die verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich - soweit nicht anders kenntlich gemacht - gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen.