"Sei klug und halte dich an Wunder" | 52-4

  • Pfarrerin Döllscher

Ich mag Bahnhöfe. Sie erzählen vom Aufbrechen und Nachhause-Kommen, von Heimat und von Weite. Bahnhofsunterführungen dagegen sind meistens nicht die schönsten Orte. Eigentlich will man nur schnell durch und Geruch und Aussehen hinter sich lassen. Wenn ich aber durch die Bahnhofsunterführung in Oberkassel gehe, schaue ich neuerdings genauer hin. Ob wieder ein Zitat an der Wand steht, das mich zum Nachdenken bringt? Das letzte war von der Dichterin Mascha Kaléko: „Sei klug und halte dich an Wunder“.

Ich mag Bahnhöfe. Sie erzählen vom Aufbrechen und Nachhause-Kommen, von Heimat und von Weite. Bahnhofsunterführungen dagegen sind meistens nicht die schönsten Orte. Eigentlich will man nur schnell durch und Geruch und Aussehen hinter sich lassen. Wenn ich aber durch die Bahnhofsunterführung in Oberkassel gehe, schaue ich neuerdings genauer hin. Ob wieder ein Zitat an der Wand steht, das mich zum Nachdenken bringt? Das letzte war von der Dichterin Mascha Kaléko: „Sei klug und halte dich an Wunder“.
Nichts ist wunderbar an dieser Unterführung außer diesem Satz. Widersprüchlich auf den ersten Blick: Wie kann es klug sein, sich an Wunder zu halten? Wunder: unerwartet, positiv, rettend, lebensspendend, aber eben unverfügbar. Wie kann es klug sein, sich an etwas zu halten, was wir nicht in der Hand haben? Manche mögen auch einwenden: Wie kann es klug sein, sich an etwas zu halten, was es gar nicht gibt. Aber da bin ich anderer Meinung und denke, dass Mascha Kaléko Recht hat: Es gibt Wunder. Manchmal entdecken wir sie erst im Rückblick auf unser Leben. Manchmal stehen wir staunend davor: Da tut sich eine Möglichkeit auf – einfach so, ohne unser Zutun – und ein Neuanfang ist möglich. Da erreicht uns eine Nachricht, kaum noch erhofft, und verspricht: Du hast es geschafft! Da kommen Menschen und mit ihnen Hilfe in großer Not; sie bringen Zuversicht und Hoffnung. Ja, so können Wunder sein, Momente, in denen Gottes Reich aufblitzt in unserer Welt.

„Sei klug und halte dich an Wunder“, sagt Mascha Kaléko. Und ich höre: Halte dich an Wunder, gerade weil wir sie nicht in der Hand haben, sondern sie uns einfach geschenkt werden. So wie uns auch das Leben selbst geschenkt ist: unverdient, einfach so. Halte dich an Wunder, weil sie dir in alle Zweifel und Dunkelheit hinein von der Güte Gottes erzählen. Unerwartet, wundersam. Halte dich an Wunder, weil sie dich lachen, hoffen, glauben lassen. Darum: Sei klug und halte dich an Wunder.

Die Bahnhofsunterführung haben sie übrigens geputzt. Das Zitat von Mascha Kaléko ist weg. Aber ihre Einladung bleibt.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Pfarrerin Sophia Döllscher

(Das Zitat stammt aus dem Gedicht „Rezept“ und ist veröffentlicht in Mascha Kaléko, Sei klug und halte dich an Wunder, dtv Verlagsgesellschaft, München 2019)

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